Corona Virus COVID 19 und Stillen VSLÖ empfiehlt

VSLÖ Empfehlung Corona-Virus COVID-19 und Stillen

Empfehlung Corona-Virus COVID-19 und Stillen Stand 26.2.2020

Das Corona-Virus COVID-19 ist eine neue Variante einer viralen Erkrankung der Atemwege und wirft viele Fragen auf. Aktuell können Handlungsempfehlungen nur auf Basis anderer ähnlicher viraler Erkrankungen (SARS, MERS) und aus wenigen Fallberichten aus China abgeleitet werden.

Der medizinische Beirat des VSLÖ erlaubt sich hiermit seine Gedanken für den Umgang mit an COVID-19 erkrankten Müttern und ihren Neugeborenen bzw. gestillten Kindern auszusprechen, die an diesen aktuellen Wissensstand angelehnt sind.

Bisher gibt es keine Hinweise, dass eine intrauterine Transmission und somit eine Ansteckung des Ungeborenen während der Schwangerschaft erfolgt. Somit ist davon auszugehen, dass Kinder erkrankter Frauen gesund zur Welt kommen. Eine eventuelle Ansteckung erfolgt post partum über Tröpfcheninfektion durch Husten, Niesen und auch durch direkten Kontakt mit den Ausscheidungen (Stuhl, Urin).

Muttermilch produziert gegen alle Erreger, mit denen die Mutter (und teilweise auch das Kind) in Kontakt kommt Antikörper (sIgA). Diese Antikörper schützen das gestillte Kind und verbessern seine eigene Immunantwort. Stillen schützt also vor Infektionen – eine Übertragung des Corona-Virus über die Muttermilch ist bisher nicht beschrieben.

Aufgrund des Übertragungsweges müssen also 2 Fälle unterschieden werden:
1. Eine positiv auf Corona COVID-19 getestete Schwangere entbindet ein höchst wahrscheinlich gesundes Kind und möchte stillen: Aufgrund der aktuell verfügbaren Daten ist es in diesem Fall empfohlen, Mutter und Kind zu separieren bis die Mutter wieder gesund ist. Es gibt keine allgemeingültige Dauer dieser Trennung, die Zeitspanne ist aufgrund der individuellen Situation durch die behandelnden Ärzte festzulegen. Während dieser Zeit kann und soll die Frau Muttermilch per Hand oder mit der Pumpe gewinnen, sofern es ihr Gesundheitszustand erlaubt. Die Patientin bzw. ggf. die Pflegeperson, die die Milch gewinnt, sollte dabei einen entsprechenden Mundschutz anlegen und die Hände vor Anfassen der Brust, Pumpe, Flasche, etc. waschen und desinfizieren. Eine gesunde Person kann diese gewonnene Muttermilch bedenkenlos und ohne Vorbehandlung an das Neugeborene verfüttern.
2. Eine Stillende erkrankt und wird positiv auf COVID-19 getestet: In diesem Fall ist davon auszugehen, dass das gestillte Kind bereits Tage zuvor (Inkubationszeit 2-14 Tage, vielleicht auch länger) dem Virus ausgesetzt war. Das Stillen sollte nicht unterbrochen werden. Die Antikörper in der Muttermilch helfen dem Kind eine Infektion am besten abzuwehren. Eine Unterbrechung des Stillens würde das Risiko des Kindes erhöhen, zu erkranken bzw. den Krankheitsverlauf erschweren. Solange die stillende Mutter körperlich in der Lage ist zu stillen, soll sie anlegen.

Sollten sich aufgrund neuer Fallberichte neue Erkenntnisse ergeben, werden wir versuchen, unsere Empfehlungen schnellstmöglich zu aktualisieren.

Dr.in Gudrun Böhm, IBCLC, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe
Dr.in Christiane Braumann, IBCLC, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe

Allgemeine Empfehlungen für Österreich:
Bei Verdacht auf Ansteckung ist es ratsam die Gesundheitshotline 1450 (keine Vorwahl notwendig) anzurufen und den dort gegebenen Anweisungen zu folgen.
Auch die Infoline 0800/555 621 steht rund um die Uhr für Fragen hinsichtlich des Coronavirus zur Verfügung.

Stets aktuelle Antworten auf viele Fragen finden sich auf der Homepage der AGES: https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus/

Literatur:
Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) and Pregnancy: What obstetricians need to know Sonja A. Rasmussen, MD https://doi.org/10.1016/j.ajog.2020.02.017
La leche league international, Continuing to nurse your Baby through coronavirus (2019-nCoV; COVID-19) and other respiratory infections, 19 february 20
Center for Disease Control and Prevention, https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-nCoV/hcp/index.html
https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus/

Quelle: https://www.stillen.at

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